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Die Bibel – nichts als die Wahrheit?

Bild: BRAIN2HANDS / Shutterstock.com

Die gesamte Christenheit sieht in Jesus den Messias und Sohn Gottes. Gläubige sind oft unkritisch und überzeugt von dem, was in der Bibel über sein Leben berichtet wird. Allerdings entspricht hier nicht alles der Wahrheit.

Grobe Übersetzungsfehler und unterschiedliche Auslegungen sorgten im Laufe der Jahrhunderte teils für widersprüchliche Aussagen. Jesus selbst hat nichts Schriftliches hinterlassen.

Das heutige Wissen entstammt meist den vier Evangelien im Neuen Testament, die sich mit dem Leben Jesu von dessen Geburt an befassen. Übersetzt bedeutet das Wort Evangelium „Frohe Botschaft“. Einige Gelehrte sind der Überzeugung, dass manche Erzählungen nicht den Tatsachen entsprechen können. Und dies ist mehr als wahrscheinlich.

1. Transliteration und Übersetzung

Bild: Fausto Renda / Shutterstock.com

Die Transliteration ist nicht mit einer normalen Übersetzung zu vergleichen. Es handelt sich hierbei um die Übertragung von einem Schriftsystem in ein anderes. Enthalten beide nicht die gleichen Buchstaben, wird es kompliziert.

Und so sind Fehler nahezu vorprogrammiert. Dies bezieht sich auch auf die Schriften der Bibel. Sie gilt als das weltweit am häufigsten übersetzte Buch. Es wird davon ausgegangen, dass die vier Evangelien zwischen den Jahren 65 bis 110 nach Christi entstanden.

Also wurden sie nach dem Tod Jesu verfasst, was bedeutet, dass bereits bei mündlichen Übertragungen bis zu diesem Zeitpunkt Missverständnisse aufgekommen sein können. Eine frühe Fehlerquelle, die berücksichtigt werden muss.

2. Andere Quellen

Bild: Chinnapong / Shutterstock.com

Die Evangelien wurden nicht von Zeitzeugen verfasst. Es ist daher wenig verwunderlich, dass gravierende Unwahrheiten über das Leben des Sohnes Gottes entstanden. Allerdings nutzten Gelehrte später auch andere Quellen, um Beweise für bestimmte Angaben im Evangelium zu bekommen.

Erwähnenswert sind hier unter anderem die Werke von Tacitus, einem römischen Historiker seiner Zeit. Er beschreibt in „Annales“, dass Pontius Pilatus als römischer Gouverneur für den Tod Jesu verantwortlich war. Hier handelt es sich um eine Aussage, die exakt mit den Angaben in den Evangelien übereinstimmt.

Es kann also davon ausgegangen werden, dass diese Behauptung aufgrund unterschiedlicher Quellen der Wahrheit entspricht.

3. Ein Fehler mit Folgen

Bild: Patrick Daxenbichler / Shutterstock.com

Eine Ausgabe der Bibel, Mitte des 16. Jahrhunderts in England veröffentlicht, wurde im späteren Verlauf gerne einmal als Sünderbibel bezeichnet. Auch als böse Bibel ging sie in die Geschichte ein.

Das hatte folgenden Grund: Lucas und Barker, Letzterer der Herausgeber der King James-Bibel, wollten eine neue Auflage des Werkes auf den Markt bringen. Es handelte sich nicht um eine bessere Übersetzung, sondern alles sollte wortgetreu so bleiben.

Pech allerdings, dass der Schriftsetzer unaufmerksam war. So veränderte sich eins der Zehn Gebote komplett. Aus „du sollst nicht ehebrechen“ wurde „du sollst ehebrechen“. Es wurde schlicht und einfach das Wort „nicht“ vergessen.

4. Lizenzen verloren

Bild: Militarist / Shutterstock.com

Aufgrund des fatalen Irrtums empörte sich der damalige englische König sehr. Lucas und Barker wurden vor Gericht gestellt und erhielten eine hohe Geldstrafe. Schlimmer noch war jedoch, dass sie ihre Lizenzen zum Drucken verloren. Aber es folgten andere Drucker, die ebenfalls Fehler machten.

Obwohl anschließend auf die Suche nach sämtlichen dieser „bösen Bibeln“ gegangen wurde, alle Exemplare konnten nicht mehr gefunden werden. Die meisten wurden zwar vernichtet, einige sind allerdings noch heute im Umlauf. Sie werden in Auktionshäusern hoch gehandelt.

Es lohnt sich also unbedingt, mal nachzuschauen, ob nicht eines dieser seltenen Bücher irgendwo im eigenen Regal verstaubt. Es könnte sich um einen kleinen Schatz handeln.

5. Von Eulen und Kannibalen

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Die King James Bibel blieb nicht von weiteren Fehlern verschont. Und so war es auch eine Ausgabe von 1682, die für Aufruhr sorgte. Hier wurde in einem Buch des Alten Testamentes, das sich mit dem Thema Scheidung befasst, aus „…und wenn sie der letztere Ehemann hasst“ die Aussage „…und wenn der letztere Ehemann sie aß“.

Selbst in späteren Jahren blieben Bibeln nicht von Druckfehlern verschont. So wurde in einer englischen Ausgabe von 1944 aus den Worten „die Ehefrau soll sich ihrem eigenen Mann unterwerfen“ die Aussage „die Ehefrau soll sich ihrem Eulenmann unterwerfen“. Ein besonders skurriler Fehler. Und dies sind nur einige Beispiele.

6. Jesus oder Jeschua?

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Geht es um Jesus, sind ebenfalls einige Fehler in der Bibel zu erkennen. Ein besonders schwerwiegender betrifft den Namen „Jesus“ selbst. Denn es handelt sich hier nicht um den, unter dem der Messias zu Lebzeiten bekannt war.

Sein hebräischer Name lautete Jeschua. Und hier geht es nicht um eine Übersetzung. Denn hebräisch bedeutet Jeschua nichts anderes als Josua.

Zudem finden sich etliche Männer im Alten Testament, die ebenfalls den Namen Jeschua tragen. Keiner von ihnen wurde jemals mit Jesus angesprochen. Was aber hat es dann mit der Bezeichnung „Jesus“ auf sich? Wieso ist Christus bei allen Christen weltweit unter diesem Namen bekannt?

7. Viele Übersetzungsfehler

Bild: WindNight / Shutterstock.com

Das Alte Testament war zum größten Teil auf Hebräisch geschrieben und wurde später übersetzt. Dagegen war das Neue Testament mit den Evangelien auf Griechisch verfasst. Den Namen Jeschua, der im Alten Testament gefunden wurde, übersetzte man mit Josua.

Im Neuen Testament änderte sich dies, denn auf Griechisch wurde hieraus ein „Yesua“. Und um den Namen männlicher erscheinen zulassen, wurde einfach ein „s“ angehangen, wie es bei griechischen Männernamen der Fall ist.

Diese Version kommt dem Namen „Jesus“ schon etwas näher. Erst einmal war es jedoch „Yesus“. Es sollten weitere Änderungen folgen. Hier spielt die romanisierte Transliteration dann eine entscheidende Rolle.

8. Die Bedeutung von INRI

Bild: Michael von Aichberger / Shutterstock.com

Im Rahmen der romanisierten Transliteration wurde das ursprüngliche „Y“ durch ein „I“ ersetzt. Nun lautete die Bezeichnung für Gottes Sohn Iesus. Aus diesem Namen heraus soll die Kreuzesinschrift INRI entstanden sein.

Die Buchstaben stehen für Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum. Die übersetzte Bedeutung aus dem Lateinischen lautet Iesus von Nazareth, König der Juden.

Von dieser Version gehen Gelehrte aus aller Welt mittlerweile aus. Endgültige Beweise scheint es jedoch nicht zu geben. Aber es handelt sich um eine durchaus logische Erklärung.
Erst sehr viel später kam der Anfangsbuchstabe J ins Spiel, den wir heute als üblich ansehen, wenn es um den Messias geht.

9. Kein J vorhanden

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Es gibt weder im Hebräischen, noch im Griechischen den Buchstaben J. Auch im lateinischen Alphabet ist er nicht vorhanden. Daher stammt das lateinische „I“, das wesentlich später zum J wurde.

Bis zum 18. Jahrhundert erschien immer noch das I in den englischen Ausgaben der Bibel. Es lag daran, dass im Englischen bis hinein in das 17. Jahrhundert zwischen „I“ und „J“ nicht unterschieden wurde.

Und so war in der ersten King James Bibel, die aus dem Jahr 1611 stammt, die gebräuchliche Bezeichnung auch „Iesus“. Selbst der Name Joseph wurde zu diesem Zeitpunkt noch mit einem I geschrieben. Interessant, wie es letztlich zum J im Namen Jesu kam!

10. Mary I. und die Verfolgten

Bild: Janneke Timmerman / Shutterstock.com

Die englische Königin Mary I. kam etwa 1550 an die Macht. Sie war überzeugte römisch-katholische Christin. Gerade zu dieser Zeit traten aber zahlreiche ihrer Untertanen aus dieser Kirchengemeinschaft aus, um Protestanten zu werden.

Legendär sind die Aktivitäten der Königin, die später auch als „Bloody Mary“ in die Geschichte einging. Sie ließ Andersgläubige in großer Anzahl auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Nahezu dreihundert Leute verloren dadurch ihr Leben.

Die religiös Verfolgten flohen oftmals in die Schweiz. Und hier sollte das „J“ im Namen Jesu erstmalig in Erscheinung treten. Dass der kleine Staat einen so bedeutenden Einfluss hierauf hatte, ist weithin nicht bekannt.

11. Schweiz und die Genfer Bibel

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Die aus England geflohenen Protestanten begannen in der Schweiz mit der Auflage einer neuen englischen Bibel. Und so kam das in der Schweiz übliche „J“ ins Spiel. Die erste Genfer Bibel, die im Jahr 1560 erschien, bezeichnete den Sohn Gottes das erste Mal als Jesus.

Später wurde diese Schreibweise komplett übernommen. Namen wie Jeschua und Josua in Bezug auf den Messias sind nicht mehr vorhanden.

In allen Sprachen lautet die Bezeichnung mittlerweile „Jesus“. Dabei ist den wenigsten Menschen bekannt, welche ausschlaggebende Rolle die kleine Schweiz in diesem Zusammenhang einnahm. Ohne die Flüchtlinge aus England wäre die Genfer Bibel so nie realisiert worden.