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Die ungleichen Zwillinge Lucy und Maria

Bild: Lyubov Levitskaya / Shutterstock.com

Zwillinge sehen in der Regel gleich oder zumindest ähnlich aus. Das ist zumindest die Annahme vieler Menschen. Bis zu einem bestimmten Alter werden sie von ihren Eltern sogar identisch gekleidet, um diesem wichtigen Merkmal zu entsprechen.

Doch wie wir im folgenden Text erfahren werden, ist das nicht immer der Fall. Es gibt Zwillinge, die gar nicht verschiedener sein könnten. Dies ist die Geschichte von Lucy und Maria, zwei Schwestern mit unterschiedlichen Hautfarben.

Wie sich die Zwillingsschwestern durch das Leben geschlagen haben, vor welche Herausforderungen sie ihre Unterschiedlichkeit gestellt hat und wie sie am Ende doch alles gemeistert haben und heute unzertrennlich sind.

1. Zwei Töchter

Donna und Vince Almayer waren glückliche Eltern von drei Kindern, als sie sich dazu entschlossen haben, es noch einmal zu versuchen. Sie hatten sich mit dieser Entscheidung viel Zeit gelassen, doch am Ende waren sie sich sicher, dass es das richtige war. Kurze Zeit darauf war Donna schwanger.

Donna war halb jamaikanisch und halb weiß. Vince war weiß. Die Kinder des Paares waren ihre Mischung des Aussehens ihrer Eltern. Als Donna nun den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt, erwarteten die Almayers, dass es bei ihrem vierten Kind ähnlich sein würde. Sie ahnten noch nicht, welche Überraschung sie berwarten würde: Es waren Zwillinge.

2. Vorbereitungen auf die Geburt

Donna und Vince freuten sich auf den Nachwuchs, der bald ins Haus stehen würde. Sie zogen in ein größeres Haus und informierten ihre anderen Kinder über den anstehenden Nachwuchs.

Dann hieß es warten. Bis zum Geburtstermin war es noch einige Monate hin und die Eltern hatten genug Zeit, sich Namen für den Nachwuchs auszudenken. Das eine Mädchen sollte Lucy heißen. Der Name kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „die Strahlende“.

Das andere Mädchen wollten sie Maria nennen. Der Name ist biblischen Ursprungs und bedeutet „geliebt“. Mit diesen beiden Namen und einer Menge Vorfreude im Gepäck machten sich Donna und Vince auf den Weg ins Krankenhaus.

3. Zwei Mädchen

Die Überraschung kam bei der Geburt. Lucy und Maria waren eindeutig zweieiige Zwillinge, doch hatten unterschiedliche Hautfarben. Donna und Vince waren in erster Linie froh, dass ihre Kinder gesund waren.

Damals, es war der 16. Januar 1997, wurde den Eltern erstmals klar: Unsere Kinder sind anders als andere. Während Lucy weiße Haut hatte wie ihr Vater, war Maria dunkelhäutig. Lucy hatte rotes Haar und Maria dunkles Haar.

Die Wahrscheinlichkeit für dieses Phänomen liegt bei eins zu 500. Umso überwältigter waren Donna und Vince, als sie ihre Töchter zum ersten Mal zu Gesicht bekamen. Die drei älteren Almayer-Kinder Chynna, George und Jordan hießen ihre neuen Geschwister liebevoll willkommen.

4. Wie andere Zwillinge

In den ersten Jahren kleidete Donna ihre Töchter in dieselben Klamotten, wie das viele Zwillingseltern tun. Das änderte sich erst, als Lucy und Maria eingeschult wurden. Die Zwillinge fanden, dass es an der Zeit für eine Veränderung war.

Sie wollten nun nicht mehr dasselbe tragen, sondern ihre eigenen Persönlichkeiten entwickeln. Donna akzeptierte das und war froh zu sehen, wie erwachsen ihre Töchter schon waren. Doch Lucy und Maria sprachen noch etwas anderes an: Sie hatten Zweifel daran, ob sie tatsächlich Zwillinge waren.

Das verletzte Donna, doch es überraschte sie auch nicht. Schließlich sahen Lucy und Maria kein bisschen gleich aus.

5. Das Leben von Zwillingen

In der Schule kamen Lucy und Maria in dieselbe Klasse. Andere Zwillinge hätten sich damit schwergetan. Nicht so die ungleichen Mädchen. Kein Lehrer verwechselte die Zwillinge und keine der beiden hatte Schwierigkeiten, ihre eigene Identität zu finden.

Allerdings hatte das ungleiche Aussehen auch Nachteile. Lucy und Maria konnten ihren Mitschülern keine Streiche spielen und nicht ihre Rollen tauschen, wie es andere Zwillinge manchmal tun.

Auch konnten sie sich nicht gegenseitig schminken, um zu sehen, wie das Make-up wirken würde. Schließlich hatten sie auch komplett unterschiedliche Gesichter. Das waren definitiv Nachteile, die Lucy und Maria in ihren ersten Lebensjahren bedrückten.

6. Mobbing wegen Hautfarbe

Wann immer Lucy und Maria erzählten, dass sie Zwillinge waren, herrschte Ungläubigkeit. Ihre Mitschüler konnten das einfach nicht glauben. Manche forderten sogar eine Geburtsurkunde ein.

Während das noch harmlos war, machten sich andere Mitschüler über die Zwillinge lustig. Besonders hart traf es Lucy. Weil ihre vier Geschwister alle dunkle Haut hatten, warf man ihr vor, adoptiert zu sein und lachte sie an manchen Tagen sogar aus.

Das nagte stark an Lucys Selbstbewusstsein. Sie zog sich mehr und mehr zurück und entwickelte eine zurückhaltende Persönlichkeit. Erst mit den Jahren schaffte sie es, sich zu öffnen und zu sich selbst zu stehen.

7. Lucy die Strahlende

Lucy war das ruhigere der beiden Zwillingsmädchen. Sie verbrachte ihre Zeit gern alleine beim Lesen oder Zeichnen. Als sie noch jünger war, verstand sie sich auch mit Maria nicht immer gut.

Zu groß waren die Unterschiede zwischen den beiden Mädchen. Lucy fühlte sich in ihrer Jugend oft zurückgestellt, denn aufgrund ihrer hellen Hautfarbe wurde sie von ihren Mitschülern oft als Geist bezeichnet. Lucy versuchte, herauszufinden, woher sie ihren hellen Hautton bekommen hatte.

Als sie eines Tages ein altes Fotoalbum durchblätterte, sah sie, dass ihre Großmutter genau wie sie aussah. Da wusste sie, von wem sie ihren besonderen Look geerbt hatte.

8. Eine haarige Sache

Selbst die Haare von Lucy und Maria waren unterschiedlich. Abseits der verschiedenen Haarfarben, war Lucys Haar dünn und lockig, aber einfach zu zähmen. Sie glättete es mit dem Glätteisen ihrer Mutter, um sich von ihrer Schwester abzugrenzen.

Marias schwarzes Haar war dagegen robust, widerwillig und typisch jamaikanisch. Viele Jahre lang mochte Maria ihr lockiges Haar überhaupt nicht und vergoss in der Folge mehr als nur eine Träne darüber. Lucy begann wie erwähnt schon früh damit, ihr Haar zu glätten, um sich von ihrer Schwester abzuheben.

So trägt sie ihr Haar bis heute, während Maria die Locken wie ihre Mutter trägt. Angefangen bei den Haaren gibt es noch einige andere Stil-Unterschiede zwischen den beiden ungleichen Zwillingen Lucy und Maria.

9. Punk-Style vs. Business-Style

Der Stil von Lucy und Maria könnte kaum unterschiedlicher sein. Lucy trägt ein Piercing und punkige Klamotten. Sie färbt ihr Haar und mag es gern etwas gewagter.

Maria hat sich dagegen dem Business-Look verschrieben. Sie trägt Kleidung, die zurückhaltend, aber einnehmend ist. Auch ihr Haar ist weniger auffallend gestylt. Maria ist inzwischen ein großer Fan ihrer Locken und trägt sie in der Regel in Form eines Kurzhaarschnitts.

Am liebsten mag sie eine Bobfrisur, die sie sich nicht beim Friseur, sondern zu Hause von ihrer Schwester Lucy schneiden lässt. Die beiden Geschwister haben mit dem Älterwerden zueinandergefunden und sind heute unzertrennlich.

10. Wie Pech und Schwefel

Lucy und Maria waren in ihrer Jugend nicht immer die besten Freunde. Während Lucy einen kleinen Freundeskreis hatte und lieber für sich blieb, war Maria beliebt und wurde sogar zur Klassensprecherin gewählt.

Nur beim Thema Kleidung fanden die beiden immer wieder zueinander, denn beide legen, jede auf ihre eigene Weise, großen Wert auf ihr Äußeres. Als Lucy und Maria schließlich ihren Abschluss machten und die Schule verließen, wuchsen sie allmählich wieder fester zusammen.

Lucy erklärte Maria, wie ausgeschlossen sie sich all die Jahre gefühlt hatte. Zu ihrer Überraschung gestand Maria, dass es ihr in ihrer Jugend ganz ähnlich ergangen war.

11. Die Anwältin und die Künstlerin

Lucy und Maria kleideten sich nicht nur unterschiedlich und hatten unterschiedliche Wesen. Die Zwillingsschwestern hatten auch ganz unterschiedliche Pläne fürs Leben.

Lucy wollte in die künstlerische Richtung gehen und eigene Dinge entwerfen. Sie schrieb sich an der Universität für die Studiengänge Design und Kunst ein. Maria dagegen interessierte sich für eine Karriere als Anwältin.

Heute befinden sich die jungen Frauen erfolgreich in ihren jeweiligen Studienfeldern und arbeiten mit Ehrgeiz auf ihre Lebensziele hin. Dabei unterstützen sich die Schwester gegenseitig und helfen sich beim Lernen. Denn auch wenn Lucy und Maria unterschiedlich sind, so sind so doch immer füreinander da.

12. Immer füreinander da

Lucy und Maria sind heute erwachsene, junge Frauen. Auch wenn sich ihre Lebenswege sehr voneinander unterscheiden, sind sie unzertrennlich. Sie sehen unterschiedlich aus, haben unterschiedliche Persönlichkeiten und verschiedene Lebensziele. Sie haben ihre ganz eigenen Vorlieben und Dinge, die die eine mag, aber die andere nicht mag.

Trotz all dieser Unterschiede halten die Zwillinge immer zusammen. Wenn es darauf ankommt, stärkt Lucy ihrer Schwester den Rücken und umgekehrt. Die jungen Frauen wissen, dass sie immer aufeinander zählen können, und das macht sie stärker und glücklicher als alles andere. Bis heute gibt es nichts, was die Zwillinge Lucy und Maria auseinanderbringen könnte.

13. Das machen Lucy und Maria heute

Lucy und Maria haben es im Jahr 2015 zu größerer Bekanntheit gebracht. Damals machte ein Interview mit einer bekannten Zeitschrift die Geschichte der beiden über England hinaus bekannt.

Die Zwillinge waren damals frische 18 Jahre alt und standen gerade ganz am Anfang ihres Studiums. Seitdem sind nun einige Jahre ins Land gezogen. Heute sind die jungen Damen Anfang 20 und noch immer voll im Studienstress.

Lucy und Maria haben eine innige Beziehung zueinander und auch zu ihren Eltern und ihren anderen Geschwistern George, Chynna und Jordan. Die Zwillinge mit den unterschiedlichen Hautfarben sind am Ende eben doch vom selben Blut.