11 Fakten über das Leben der Schlossbewohner im Mittelalter

Bild: leoks / Shutterstock.com

Das Leben in einem Schloss ist für die meisten Menschen eine traumhafte Vorstellung. Essen im Überfluss, schützende Mauern und unzählige Diener, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

Schlösser werden in der Literatur und in Filmen als sicherer Rückzugsort der Adligen dargestellt. Ein Ort, an dem Grafen und Könige ein Leben voller Annehmlichkeiten genossen. In Wirklichkeit war der Alltag in den mittelalterlichen Bauten wenig märchenhaft.

Die steinernen Mauern waren ein wirksamer Schutz gegen feindliche Truppen. Tödliche Krankheiten, lästiges Ungeziefer und Kälte konnten sie nicht abhalten. Die katastrophalen hygienischen Zustände in den Schlössern waren gesundheitsgefährdend. Das Leben der Schlossbewohner unterschied sich nur unwesentlich von dem der ländlichen Bevölkerung.

1. Festung und Verwaltungsgebäude

Bild: Imago / CHROMORANGE

Das Mittelalter ist eine Epoche in der europäischen Geschichte und bezieht sich auf die Zeit zwischen dem 5. und dem 15. Jahrhundert. Die Ära begann nach dem Fall des Römischen Reichs und ging nach rund zehn Jahrhunderten in die Frühe Neuzeit über.

In dieser Zeit der Monarchie wurden Schlösser und Burgen errichtet, um die adlige Bevölkerung vor den Angriffen verfeindeter Reiche zu schützen. Darüber hinaus fungierten sie als Regierungssitz der Könige und Grafen. Hinter den Mauern der prachtvollen Bauten entwickelten sie Schlachtpläne zur Eroberung fremder Herrschaftsgebiete und trafen administrative Entscheidungen.

Schlösser dienten als strategisches Hauptquartier mit Schlafmöglichkeit. Der Fokus lag auf Sicherheit und nicht auf Komfort.

2. Kalte Mauern

Bild: Imago / Westend61

Die Schlösser und Burgen des Mittelalters bestanden aus Stein. Das harte Material bot zuverlässigen Schutz vor den Bögen und Katapulten der Feinde. Kleine Fenster sollten gegnerischen Soldaten das Eindringen in die Unterkunft des Königs erschweren. Im Zuge dieser Sicherheitsmaßnahmen blieben viele Räume fensterlos.

Ihr Aufbau machte die majestätischen Gebäude zu standhaften Festungen. Auf die Empfindungen der Schlossbewohner nahmen die Architekten beim Entwurf der adligen Wohnsitze keine Rücksicht. Die Kombination aus geringem Lichteinfall und steinernen Wänden erzeugte eisige Temperaturen im Schloss. In den kalten Regionen Nordeuropas war dies in den Wintermonaten ein großes Problem.

Die schwere körperliche Arbeit hielt die Bediensteten tagsüber warm.

3. Im Dienst des Königs

Bild: Imago / Design Pics

Die einzige Lichtquelle im Mittelalter war Feuer. Im Norden Europas waren die Wintermonate geprägt von Schnee und unerbittlicher Kälte. Bedingungen, die das Sammeln von Feuerholz unmöglich machten. Die Bediensteten mussten sparsam mit der Ressource umgehen und standen im Morgengrauen auf, um das Tageslicht für ihre Arbeit nutzen zu können.

Alle Aufgaben des Personals dienten dem Wohlergehen des Königspaars. Es musste mehrmals täglich das Essen zubereiten, den Adligen in die Kleidung helfen und die Sauberkeit des Schlosses sicherstellen.

Das Mittelalter war eine Ära weit vor Erfindung der Elektrizität. Alle Tätigkeiten mussten mit der Hand erledigt werden und nahmen mehrere Stunden in Anspruch.

4. Ein Tummelplatz

Bild: Imago / INSADCO

Mittelalterliche Schlösser beherbergten nicht nur das adlige Paar. Die meisten Könige entstammten einer Dynastie, die sich aus zahlreichen Familienmitgliedern zusammensetzte. Nahe und entfernte Verwandte des Königs residierten im selben Schloss wie der Herrscher.

Um rund um die Uhr zur Verfügung stehen zu können, wohnten die Bediensteten im unteren Bereich des Schlosses. Hinzu kamen die Soldaten, die das Tor bewachten und nach Feinden Ausschau hielten. Die Anzahl der Schlossbewohner hing vom Status des Adligen ab und belief sich auf mehrere Dutzend Personen.

In Schlössern wurden regelmäßig große Feste gefeiert, deren Gästeanzahl die Kapazität der Räumlichkeiten und die Leistungsfähigkeit der Bediensteten an ihre Grenzen brachte.

5. Harte körperliche Arbeit

Bild: Imago / imagebroker

Zu den königlichen Feiern waren nicht selten über hundert Personen eingeladen. Eine große Herausforderung für das Küchenpersonal, das sich keinen Fehler erlauben durfte. Das Essen setzte sich aus mehreren Gängen zusammen. Sie mussten frisch zubereitet und warm serviert werden.

Die Sitzordnung an der Tafel folgte einem bestimmten Muster. Das Königspaar saß traditionell an der Kopfseite des Tisches. Seitlich folgten die Gäste der Feier geordnet nach Adelstitel. Dieser Reihenfolge musste beim Servieren der Gänge penibel gefolgt werden.

Die Gerichte der Oberschicht bestanden aus Pfau, Schwan und anderen seltenen Fleischsorten. Den Bediensteten blieben die Reste, mit deren Verzehr sie bis zum Ende der Feier warten mussten.

6. Kirchenpflicht

Bild: Renata Sedmakova / Shutterstock.com

Religion spielte im Mittelalter eine wichtige Rolle. Für einen Kirchenbesuch mussten die Dorfbewohner ihre Hütten verlassen und sich zum Kirchengebäude begeben. Das stellte in Zeiten des Krieges eine Gefahr für den König dar.

Die mittelalterlichen Bauherren lösten das Problem, indem sie eine Kapelle in das Schloss integrierten. Obwohl die eingebaute Kirche den Adligen gewidmet war, galt ihr Besuch als Pflichtveranstaltung für alle Schlossbewohner. Das Personal konnte sich in der wenigen Freizeit nicht erholen, sondern musste an der Messe teilnehmen.

Gegen das ungeschriebene Gesetz zu verstoßen, war im gottesfürchtigen Mittelalter fatal und galt als Blasphemie. Ein Vergehen, für dessen Bestrafung der Kerker vorgesehen war.

7. Der Kerker

Bild: Imago / Design Pics

Im Kerker landeten alle Personen, die der König eines Verbrechens beschuldigte. Ein Prozess blieb den vermeintlichen Tätern verwehrt. Es kam vor, dass Verurteilte vergessen wurden und ihr Dasein bis zu ihrem Lebensende in dem dunklen Kellerraum fristeten.

Das Leben im Kerker war grausam. Die berüchtigten mittelalterlichen Foltermethoden kamen täglich zum Einsatz und erzeugten grausame Schreie, die durch die Gänge des Schlosses hallten. Nach der Misshandlung wurden die Insassen zurück in ihre dunkle Zelle gesperrt. Sie erhielten unsauberes Wasser und vergammeltes Essen. Ihre Notdurft mussten sie auf dem Boden der kleinen Zelle verrichten.

In Bezug auf die Hygiene erging es den restlichen Schlossbewohnern ähnlich schlecht.

8. Katastrophale hygienische Zustände

Bild: Imago / Design Pics

Im Mittelalter bestand die Toilette aus einer langen Holzbank mit Löchern, die sich über dem Burggraben befand. Diese Vorgehensweise verseuchte das Wasser. Sauberes Trinkwasser war ein kostbares Gut.

Händewaschen war in dieser Epoche nicht üblich. Das Personal erledigte seine Notdurft, bewirtschaftete die Tiere und kochte anschließend das Essen. Besteck durfte nur von der königlichen Familie benutzt werden. Die Bediensteten aßen mit den Händen und infizierten sich auf diese Weise mit diversen Krankheiten.

Ein zusätzliches Problem stellten Ratten dar, die von Essensresten angelockt wurden. Sie durchquerten auf ihrem Weg zum Schloss den kontaminierten Burggraben und schleppten tödliche Krankheitserreger, wie die Pest, mit sich.

9. Seltene Bäder und dreckige Kleidung

Bild: Imago / imagebroker

Baden galt im Mittelalter als Luxus. Kristallklares Badewasser war wertvoll und für das Königspaar gedacht. Die Bediensteten mussten das Wasser in der Küche des Schlosses erwärmen und in Kübeln in das obere Stockwerk tragen.

Dem Personal blieb nur das Baden in unsauberem Wasser. Die Wasserknappheit hatte zur Folge, dass sich mehrere Personen das Badewasser teilen mussten. Durch dieses Vorgehen war der Badende hinterher dreckiger als vorher. Nach dem Bad musste er sich zumindest keine Sorgen machen, saubere Kleidung zu verschmutzen.

Die Menschen im Mittelalter sprachen Urin eine säubernde Wirkung zu. Für die Reinigung der Kleidung nutzten sie eine Mischung aus Asche, Lauge, unreinem Wasser und Urin.

10. Ungeziefer

Bild: Imago / Danita Delimont

Schlösser waren ein Paradies für Krabbeltiere. Im Eingang lag ein provisorischer Teppich aus Stroh, der den Schmutz draußen halten sollte. Das Gegenteil trat ein, sobald die Bediensteten das Naturmaterial nicht regelmäßig wechselten. Es bot den idealen Nährboden für Ungeziefer.

Undichte Decken im Schloss begünstigten das Eindringen von Schädlingen. Herunterfallende Käfer rissen die Menschen nachts aus dem Schlaf. Das führte zur Entwicklung des überdachten Bettes, das dem Königspaar diese unangenehme Erfahrung ersparte.

Die mangelnde Hygiene führte zur Ausbreitung von Kopfläusen. Es gab kein wirksames Gegenmittel, sodass die Betroffenen den Plagegeistern machtlos ausgeliefert waren. Ein Problem, von dem die Adligen nicht verschont blieben.

11. Kein prunkvolles Leben für die Adligen

Bild: Martin Dvoracek / Shutterstock.com

Kunstvoll gestaltete Perücken sollten die Königsfamilie vor den flügellosen Insekten schützen. Eine Hoffnung, die sich als trügerisch erwies. Die Kopfbedeckung bestand aus Echthaar und bewahrte den Träger nicht vor dem Läusebefall.

Die Adligen erkrankten an dem Essen, dass die Bediensteten mit ungewaschenen Händen zubereiteten und erlitten Rattenbisse. Die königliche Garderobe wusch das Personal, gemäß dem mittelalterlichen Standard, in Urin. Die Knappheit von sauberem Wasser machte das Baden für Adlige zur Ausnahme.

Schlösser üben eine magische Anziehungskraft auf die Menschen des 21. Jahrhunderts aus. Angesichts des wahren Lebens in mittelalterlichen Schlössern können wir uns glücklich schätzen, die Mauern der königlichen Bauten nach einem kurzen Besuch wieder verlassen zu dürfen.